Der Walzer
Du warst vollkommen blind ! Die Kontaktlinsen ließen kein Licht in deine
Augen, so dass du erstmalig nachempfinden konntest, wie sich ein
Blinder fühlte ... und allein die Tatsache, dass niemand es dir
äußerlich ansah, bereite dir ein Kribbeln im Bauch.
Ich hatte nicht verraten, wohin wir fuhren. Es sollte eine
Überraschung werden, und ich hatte sie ziemlich perfekt organisiert ... natürlich
konntest du dich nicht selber schminken oder frisieren, so dass ich
eine Kosmetiker und eine Frieseurin hatte kommen lassen, um dir zu
helfen. Du warst anfangs ein wenig zickig, weil es so intim war und du
selber nicht überprüfen konntest, ob sie dich nicht entstellt hatten,
doch ein fester Griff an deine Schulter sorgte dafür, dass du dich artig auf den
Stuhl setztest (nur in Strümpfe und sündhaft schöne Dessous gekleidet)
und die Damen ihr Werk verrichten ließest ... dir war unwohl dabei. Du
warst völlig verunsichert.
Nach einer kleinen Ewigkeit waren sie fertig, und halfen dir
noch in dein Abendkleid ... es kam dir fremd vor, fühlte sich nicht wie
ein Kleid an, das du kanntest ... seidig, knöchellang, weit geschnitten,
so dass es verführerisch deine Beine umspielte ... die Damen halfen dir
in ein Paar Heels und führten dich mir dann vor ...
Unsicher tastetest du dich durch den Raum, bis ich dir meine Hand reichte und leise pfeifend um dich herum schritt.
"Wundervoll ! Du siehst absolut bezaubernd aus, meine Liebe ..."
Ich bezahlte die Damen und führte dich schließlich an meinem Arm zum
Auto, wo ich dir auf den Beifahrersitz half, ehe ich selber einstieg
und den Motor startete ...
"Wohin fahren wir ?"
Ich schmunzelte.
"Lass ich überraschen ... bist du etwa nervös ?"
Du nicktest.
"Ja ... mehr als das !"
Der Wagen glitt ruhig über die Straße. Ich merkte, dass du versuchtest, dich an Kurven und Abzweigungen zu orientieren, aber dein leicht schmollender Gesichtsausdruck verriet mir, dass es dir nicht gelang. Ich war mir nicht einmal sicher, ob wir diese Strecke überhaupt schon einmal gefahren waren. Meine Hand legte sich auf dein Bein und strich sanft über den Stoff deines Kleids. Als Einstimmung hatte ließ ich Bach im Wagen erklingen, ein paar sentimentale Klänge, die deine Eregung noch etwas steigerten. Ruhig wehte ein Atemhauch über deine roten Lippen und versuchtest du die nicht anmerken zu lassen, dass mehr als Nervosität durch deine Adern rauschte ... Lust ... pure Lust, die mit jedem Meter, den wir durch die Nacht fuhren, größer wurde.
Ich lenkte den Wagen schließlich von der Straße auf einen schmalen Kiesweg, deran unser Ziel führte, ein altes Herrenhaus, umgeben von einem prachtvollen Garten, in welchem heute ein ganz spezieller Ball stattfinden würde. Wir fuhren um ein bepflanztes Rodell, hielten vor dem Haupteingang und umgehend wurde die Beifahrertür von einem Bediensteten geöffnet.
"Guten Abend, Madame. Darf ich Ihnen beim Aussteigen helfen ?"
Jemand reichte dir eine Hand, und ohne dass du ihn kanntest, reichtest du ihm deine Hand, setztest einen Fuß auf den Kies und stiegst aus. Ich kletterte ebenfalls aus dem Wagen, ging um das Auto herum, reichte dir meinen Arm und dem jungen Mann die Autoschlüssel und einen Geldschein.
"Jetzt bist du noch nervöser, oder ?"
Du verzogst das Gesicht. Ich sah es dir an, und du hasstest es, wenn ich dich so leicht durchschaute. Ich hielt an, so dass auch du stehen bleiben musstest, um meine Führung nicht zu verlieren ... ich packte deine Haare, riss deinen Kopf nach hinten und gab dir eine kräftige Ohrfeige.
"Wir befinden uns heute in Gesellschaft, meine Liebe, da ist dieses 'Kleinmädchengezicke' absolut unangebracht. Ein falscher Ton von dir, und ich binde dich direkt hier neben der Eingangstür wie ein Pferdchen an ... das Video der Überwachungskamera stelle ich dann morgen in deinem Profil ein ... haben wir uns verstanden ?"
Du warst vollkommen überrascht und nicktest nur hilflos. Meine Reaktion war sehr heftig gewesen, so dass du es nicht wagtest, mich weiter zu verärgern. Du haktest dich wieder bei mir ein und folgtest mir die Treppen hinauf. Wir kamen an eine Tür, die man uns aufhielt, und ... traten ein.
Klassische Musik ... Stimmengewirr ... ! Du klammertest dich enger an meinen Arm. Es war dir unheimlich, blind unter so viele Menschen zu gehen. Du wagtest es nicht, einen Ton von dir zu geben, als ich aber auch schon meinen Arm von dir nahm, um jemandem die Hand zu reichen.
"Wirklich, vielen Dank für die Einladung ... wir sind sehr froh, heute hier sein zu dürfen ... meine Partnerin kämpft noch ein wenig damit, dass sie so plötzlich ihr Augenlicht verloren hat, wolte mich aber doch unbedingt begleiten".
Du zucktest zusammen, denn nun spannte ich ein Lügengeflecht auf, dem du nicht folgen mochtest. Ein Kniff in deine Seite erinnerte dich aber daran, dass Widerworte unangebracht waren.
Ich wandte mich dir zu.
"Monique ? Ich weiß, dass es ungewohnt für dich ist, aber macht du bitte einen Knicks für unseren Gastgeber und küsst seine Hand".
Ich wandte mich unserem Gastgeber zu, während du mühsam einen Knicks leistetest.
"Bitte entschuldigen Sie ... es ist alles noch sehr ungewohnt und neu für sie".
Du tastetest nach einer Hand, die sich dir entgegen streckte und küsstest sie.
Eine fremde Stimme wünschte uns einen wundervollen Abend, und schon führte ich dich weiter. Du spürtest die erhabene Atmosphäre der Räumlichkeiten, groß, klassisch und klangvoll. Wir traten in den eigentlichen Ballsaal, hielten in der Eingangstür an und ließen die Atmosphäre einen Augenblick auf uns wirken.
"Darf ich bitten ?"
Ich reichte dir meine Hand und wollte dich ernsthaft auf die Tanzfläche führen.
"Aber ?"
Ich schüttelte den Kopf, auch wenn du es nicht sehen konntest.
"Kein 'Aber' ... wir werden den ganzen Abend einfach tanzen ... obwohl es ein Logenball ist ... Walzer ... du blind und völlig darauf angewiesen, dass ich dich führe. Ich möchte, dass du dich vollkommen fallen lässt und dich allein meiner Führung hingibst ... mehr nicht".
Ich nahm deine Hand, führte dich auf die Tanzfläche, legte eine Hand um deinen Körper und führte dich ... es fiel dir anfangs schwer, doch mein fester Handgriff gab dir Halt, Sicherheit, so dass du mir bald folgtest und dich von mir führen ließest, wie du es noch nie vorher getan hattest ... stundenlang tanzten wir, und dieser Abend brannte sich in deinen Kopf ein ... jetzt wusstest du, wer dich wirklich führen konnte ...
So wie in diese Geschichte möchte ich gerne mal behandelt werden mit alles was dazu gehört
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